Einöde Spetingen

Sollten es die Reinhartshausener übersehen haben, im Jahre 1969 „1000 Jahre Spettingen“ zu feiern?

Spetingen (auch Spettingen) ist ein abgegangener Einödhof, der in der Nähe des heutigen Friedhofs Richtung Waldberger Feld stand.
Hidunch de Spetingen trat 1140 als Zeuge in einer Urkunde des Augsburger Klosters St. Ulrich und Afra auf.
Der Name der kleinen Ansiedlung ändert sich im Laufe der Jahre von ursprünglich „Spetingen“ in „Spöttingen“ und später in „Spettingen“.
Spetingen ist letztmalig 1316 im hochstift-augsburgischen Urbar der Vogtei Hattenberg in der Reihenfolge zwischen TEPSHOUEN (Döpshofen) und ETTENHOUEN (Ettenhofen, heute Burgwalden) aufgeführt.
Würde man den Vorplatz der Kapelle aufgraben, kämen die Fundamente des Langhauses der alten Marienkirche zum Vorschein.
1628 war der teilweise Neubau wieder der Hl. Maria geweiht worden, um 1690 dort die „Arme-Seelen-Bruderschaft“ aufzurichten.
Der Flurname „Der Spöttinger“ erinnert noch heute daran. Die Spettinger Grundstücke (im Kataster als Flurnummern 447, 448 und 449 geführt) sind in der Meierhof-Beschreibung von Reinhartshausen aus dem Jahre 1677 enthalten.
Es ist nachgewiesen, dass die kleine Kapelle auf dem „alten“ Friedhof die Apsis der 1830 teilweise abgerißenen Kirche ist, deren Vorgängerbau die Spetinger Kirche war. Bis zu diesem Zeitpunkt standen in der Gemeinde Reinhartshausen zwei Kirchen. 1835 wird die verbliebene Apsis in die heutige Friedhofskapelle umgebaut. 1953 fügte die Gemeindeverwaltung den kleinen Vorbau an, um die Eingangstüre an der Westseite nicht mehr der direkten Bewitterung auszusetzen. Seit dieser Zeit dient die Kapelle als Aussegnungshalle für den Friedhof.
Nachdem 1455 für die Reinhartshauser Dorfkirche eine Pfarrstelle dotiert wurde, dürfte in diese Zeit auch das Ende der Ansiedlung „Spetingen“ / „Spettingen“ zu datieren sein.
 Text: (c) 2016, Ludwig Wiedemann