1586 bis 1806

Reinhartshausen wird fuggerisch

Am 19. September 1586 verkaufen die Erben der Felizitas Pimmel, geb. Honold, (Sohn Anton Pimmel, Schwiegersohn Anton Manlich und die Vormundschaft des Enkels Julius Welser) für nunmehr 24.000 Rheinische Gulden an Hans Fugger, Herr von Kirchberg und Weißenhorn auf Kirchheim, das ganze Dorf „sambt einem Herrengeseß, Bauhof, Gericht, Zwing und Bann….“. Das „Herrengeseß“ ist das von Konrad Gwerlich erbaute Landschloss. Unter „Gericht, Zwing und Bann“ ist die Niedere Gerichtsbarkeit zu verstehen. Entsprechend der Constitutio Criminalis Carolina (CCC) oder Carolina von 1532, sie gilt heute als erstes allgemeines deutsches Strafgesetzbuch, ist damit die Rechtsverfolgung geringerer Delikte des Alltags, die mit Geldbußen oder leichteren Leibstrafen sühnbar waren, zu verstehen.

 

Hans Fugger (1531 - 1598)

Hans Fugger (1531 – 1598)

Hans Fugger von der Lilie, vollständig Hans Freiherr Fugger, Herr zu Kirchheim, Glött, Mickhausen, Stettenfels und Schmiechen, (* 4. September 1531; † 19. April 1598, begraben in Kirchheim in Schwaben) war der zweite Sohn des Anton Fugger (1493–1560) und der Anna Rehlinger. Sein ganzes Leben lang diente er dem Handelsunternehmen der Fugger in unterschiedlichsten Bereichen. Seine Einsatzorte liegen in den Niederlanden, in Spanien und im heimatlichen Augsburg.
Am 6. Oktober 1586 werden das UrbarRegister und das Verzaichnüs über das Dorf Renhartshausen angelegt. Beide Dokumente enthalten eine komplette Beschreibung der Besitztümer sowie die Namen der Besitzer des gesamten Dorfs. Die Gerichtsbarkeiten obliegen nun der Fuggerischen Herrschaft. Nach dem Inventar der Jahre 1590/1595 wird das Gut Reinhartshausen rechnerisch auf 37.286 Gulden und 6 2/3 Kreuzer veranschlagt. Davon entfallen 25.000 Gulden auf die Niedergerichtsbarkeit und 8.500 Gulden das Schloss und die Badstube. Der jährliche Reingewinn des Guts beläuft sich auf 1.031 Gulden und 26 2/3 Kreuzer.
Das Gut bleibt von nun an bei der Kirchheimer Fuggerlinie, bis der Kaiserliche Kammergerichtspräsident Johann Eusebius Fugger (* 3. Juli 1617) am 11. März 1672 ohne männlichen Erben verstirbt. Seine Gemahlin ist Eleonore Maria zu Fürstenberg (1623-1672).

 

Franz Ernst Fugger auf Glött erbt das Gut und verkauft es am 3. Dezember 1678 an das Augustiner Chorherren-Stift Hl. Kreuz in Augsburg.

 

Kraft seines Einstandsrechts gelingt es Franz Joachim Fugger-Wellenburg, den Verkauf rückgängig zu machen. 1685 verstirbt Franz Joachim Fugger-Wellenburg. Am 24. Mai 1689 überlässt dessen Witwe Felizitas Fugger, geb. Gräfin Lodron, das Gut ihrem Schwager Anton Joseph Fugger auf Wellenburg.

 

Reinhartshausen im Jahre 1750

Reinhartshausen im Jahre 1750

Im Jahr 1750 wird nochmals deutlich, dass Reinhartshausen im Herrschaftsgebiet der Markgrafschaft Burgau liegt. Denn der berühmte Ravensburger Militärkartograph Johann Lampert Kolleffel (1706-1763) fertigt von 1749 bis 1753 eine topografische Landesaufnahme des Fürstentums des Alten Reiches an. Die Markgrafschaft ist eher ein Rechtsgebilde, als ein fest umrissenes Territorium. Die Rechtsanspüche zahlreicher Reichsstände waren mit unmittelbarer habsburgischer Herrschaft gemischt.

Das gesamte Gebiet gehörte zu Vorderösterreich, stand also unter – teilweise strittiger – habsburgischer Oberherrschaft. Der österreichische Erzherzog und oft auch Kaiser im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation hatte die Hohe Gerichtsbarkeit inne und fungierte seit 1301 in Personalunion als Markgraf von Burgau.

Die österreichische Regierung in Wien hatte im Oktober 1749 festgestellt, dass keine «Geographische Special Carten von Schwaebisch-Oesterreich» vorhanden sei. Die Oberämter der Markgrafschaft Burgau wurden daher angewiesen, den Obrist-Wachtmeister und Generalquartiermeister-Lieutenant Kolleffel bei den Vermessungsarbeiten zu unterstützen.

 

1764 verstirbt Anton Joseph Fuggers Enkel Graf Joseph Maria Fugger-Wellenburg (1717-1764). Damit erlischt die Wellenburger Linie und Reinhartshausen geht zusammen mit der ganzen Wellenburger Herrschaft an die Linie Fugger-Babenhausen über.

 

Graf Anselm Maria Fugger (1766-1821) übernimmt 1793 als ältester Sohn des Grafen Anselm Viktorian Fugger die Regierungsgeschäfte der Herrschaft Babenhausen. In Anbetracht seiner und seiner Familie Verdienste für Kaiser und Reich wird Graf Anselm Maria Fugger (1766-1821) am 1. August 1803 durch Kaiser Franz II. von Österreich in den Reichsfürstenstand erhoben und darf sich somit Anselm Maria Fürst Fugger von Babenhausen nennen. 1821 verstirbt er an den Folgen eines Schlaganfalls und wird seinem Rang gemäß in der fuggerschen Familiengruft in der Schlosskirche in Babenhausen beigesetzt. Mit dem Abschluss der Rheinischen Bundesakte vom 12. Juli 1806 und dem damit verbundenen Ende des Hl. Römischen Reichs Deutscher Nation ist das Ende der kleineren Reichsstände und damit auch des Fürstentum Babenhausen besiegelt. Am 15. September 1806 nimmt das neue Königreich Bayern das Fürstentum Babenhausen formell in Besitz.

 
In den Jahren 1806 und 1807 versucht Anselm Maria das Los seines Fürstentums und seiner Herrschaften unter der bayerischen Krone zu verbessern. Ihm werden aber nur die gleichen Rechte wie den übrigen von Bayern übernommenen weltlichen mediatisierten Reichsständen zugestanden. 1808 erhält er als Thronlehen das Hofamt eines bayerischen Kronoberstkämmerers.