Ortsgeschichte

Warum feiert das Dorf Reinhartshausen am 14. Februar 2016 seine „erstmalige urkundliche Erwähnung vor 700 Jahren“?

Die Antwort ist einfach und hat doch einen komplexen Hintergrund.

 

Zuerst der Hintergrund: Die Herrschaft Hattenberg (noch als Burgstall bei Breitenbronn feststellbar) war, als sie um 1300 an das Hochstift Augsburg fiel, eines der umfangreichsten Herrschaftsgebilde des gesamten Gebiets. Der Reichsministeriale Konrad Spannagel nennt 1251 unter den Zeugen einer Urkunde auch die filii fratris mei de Hattenberc [Die Kinder meines Bruders Hattenberc] (MB 6, 526). Die Herrschaft Hattenberg entpuppt sich durch das 1316 angefertigte Urbar, das den reichsministerialen Besitzstand im Wesentlichen unangetastet und unverändert überliefern dürfte, und durch die vorangegangenen Vergabungen in erster Linie als Vogtherrschaft.

 

Und nun zur einfachen Antwort: Der Name „Renhartshausen“ wird am 14. Februar 1316 in einer Kaufbrief-Urkunde erstmals erwähnt. Verkauft wurden 2/3 des Großen und des Kleinen Zehnts durch Ludwig und Ulrich von Hagenbach {Vater und Sohn} an Conradt den alten Zingiesser von Augspurg; Eigentümer bleibt aber Hermann Speth von Vaymingen {Faimingen}.

 

1316 fertigt Hermann Speth von Vaymingen als Bestätigung des vorgenannten Verkaufs an Conradt Zingiesser von Augsburg einen Lehensbrief aus.

 

1353 gehen die genannten 2/3 Zehnt an die Herren von Laber in der Oberpfalz über.

 

Mit Urkunde vom 23. April 1355 erwirbt Ulrich Ilsung [aus Augsburg] in Gemeinschaft mit seinem Mitbürger Bertold Bach von Agnes, der Witwe Gottfrieds von Wellenburg, und ihrem Sohn Hermann weitere zehn Güter.

 

1371 verkaufen Heinrich Bach und seine Frau das Dorf für 500 Gulden an Peter Egen und Konrad Gwerlich, beide Bürger in Augsburg.

 

1479, am Samstag nach dem Fronleichnamstag, verkauften die Brüder Konrad und Ulrich Gwerlich und Consorten an Leonhard Lauginger.

 

Am 19. September 1586 kommt das Dorf an Hans Fugger, Herr von Kirchberg und Weißenhorn auf Kirchheim. Mit einer kurzen Unterbrechung bleibt Reinhartshausen in den Händen der Familie Fugger.

 

Die hohe Politik sorgt dafür, dass das Dorf Reinhartshausen zusammen mit den anderen Besitzungen des Fürstentums Babenhausen am 15. September 1806 zum Königreich Bayern wechselt und „Königlich-bayerische Untertanen“ werden.

 

Getreu dem Motto der Tourismusbranche „Wo Bayern schwäbisch schwätzt“, spricht man, äh redet man, in Reinhartshausen nach der „schwäbischen Mundart“. Denn seit 1808 gehört das Dorf irgendwie zu „Schwaben“.

 

Die offizielle Gemeindegeschichte endet für Reinhartshausen am 30. Juni 1972, weil Reinhartshausen mit seinem Beiort Burgwalden ab 1. Juli 1972 in die Stadt Bobingen eingemeindet wurde.

 

Die eigene Ortsgeschichte wird aber fortgeschrieben, denn sie gehört zur Heimat. Denn „Heimat“ ist da, wo man sich gerne aufhält, wohlfühlt und wo man hingehören will.

 

Text: (c) Ludwig Wiedemann